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Feuer und Musik


Ein Feuer hat etwas Magisches, etwas unheimlich Anziehendes und gleichzeitig sehr Beruhigendes, sofern es kontrolliert brennt 😉 Und anscheinend gibt es für Männer im besten Alter, also meinem Alter, nichts Schöneres, als am Feuer zu sitzen und bei guter Musik und Bier hineinzustarren.

Ja, ich bin keine 20 mehr und ich hab, seit ich hier wohne, noch nie das Bedürfnis gehabt, eines dieser Lokale aufzusuchen, in denen Menschen, die allesammt gut 10 Jahre jünger sind als ich, sich zecks Stimmungsaufhellung und späterer Begattung, volllaufen lassen. Vielleicht hast du recht und der Neid spricht aus mir. Vielleicht hast du auch recht, wenn du sagt, ich wär ein alter Sack und sollte ohnehin zuhause bleiben. Vielleicht ist das Konzept des „Fortgehens“ aber auch überholt und gehört überdacht und ersetzt.

Ich kenne den wahren Grund, warum ich nicht raus will. In vielen dieser Lokale habe ich als Jugendlicher meine Spuren hinterlassen und als ich vor 16 Jahren nach Wien gezogen bin, habe ich diese Spuren mit einem erleichterten Seufzer hinter mir gelassen. Nicht sofort aber stetig. Wie einen von Schuldgefühlen geplagten Täter, trieb es mich die ersten paar Jahre immer wieder an die Orte der Versumpfung zurück, bis ich erkannte, dass das auch nix hilft.

Mein Bewusstsein entschloss sich irgendwann, unterstützt von Unmengen an Alkohol, sich nicht mehr an die Zeit der Selbstzerstörung zu erinnern und ich kann mich nur mehr an Begebenheiten oder Menschen aus der Zeit zwischen 1990 und 2000 erinnern, wenn mir jemand davon erzählt. Selbst dann sind die Erinnerungen sehr verschwommen oder vorgetäuscht. „Ahh ja, weiss schon…“ – nix weiss ich. Warum sollte ich mich auch an all die Erniedrigungen erinnern wollen.

Jetzt, da ich und einige andere Ex-Wiener wieder in der Heimat unserer Jugendzeit wohnen, scheint es für den ein oder anderen interessant zu sein, an die Tatorte der Jugendlichkeit zurückzukehren und das Werk fortzuführen. „Is doch klass!“ hör ich sie sagen. „Warum nicht?“ hör ich sie fragen.

Weil ich nichts mehr wissen will von meinen Saufgelagen mit den alten Kumpels und nicht in einer Suppe aus Melancholie und Wir-sind-eh-noch-cool badend, die Geschichten immer und immer wieder aufgetischt bekommen möchte. Dazu sind nicht mal andere Menschen notwendig. Es reichen schon alte Flecken an der Wand, der Fliesenboden und die Garderobe in miefigen Kellerlokalen, der Geruch von Bosna oder der Klang eines Saxophons durch 3 Brandschutztüren.

Das Feuer des Fortgehens ist auf Sparflamme geschalten, dafür brennen die Feuer in unseren Gärten umso heller.

Warum sollte ich in irgendein Lokal gehen, in dem sie Musik spielen, die mir auf den Sack geht, wenn ich mit meinen Kumpels Jimmy Hendrix, Flaming Lips und Frank Zappa am Lagerfeuer hören kann. That’s all I need.
Und es ist schön, wenn die Höhepunkte sich in Form eines alten Weihnachtsbaums zeigen, der in den Feuerkorb gesteckt wird un der in Windeseile, mit meterhoch züngelnden Flammen abbrennt. Wenn sich alle um das Feuer Versammelten gleichzeitig denken: „Wenn der noch lange brennt, kommt die Feuerwehr!“ Und sobald die Flammen wieder kleiner werden, ein gemeinsames, verschworenes Lächeln aufsetzen und zur Bierflasche greifen.

Das gibt mir wesentlich mehr, als ein „Geil war es gestern wieder in der Alm-Bar!“

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Eingeordnet unter Leben im Allgmeinen, Ranshofen