Archiv der Kategorie: Ranshofen

Geburtstag


Ich habe heute Geburtstag und keinen Ort mich zu verstecken.

Die letzten Jahre habe ich immer den Schutz der Großstadt genutzt, um der Heerschar an Gratulanten und Wir-wollen-Party-feiern-Menschen zu entgehen und meinen Geburtstag mit mir alleine zu verbringen.

Das ist ja auch ok so. Kein Mensch sollte sich an seinem Geburtstag gezwungen fühlen, etwas anderes zu machen, als das, was er gerne macht. Ich bin gerne alleine. Für mich ist das auch kein Problem und alleine der Gedanke an die Menschen, die beleidigt sind, wenn sie mich an meinem Geburtstag nicht erreichen, um mir zu gratulieren, makes me sick.

Schauen wir uns das Problem mal genauer an:

Ich kam durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Das heißt, meine Mutter war in gewisser Weise bei meiner Geburt nicht anwesend – ich war auf der Welt und das erste mal alleine, schön. Ich weiß nicht, wie der Arzt heißt, der mich auf die Welt gebracht hat und ob der überhaupt noch lebt aber mit dem würd ich auf jeden Fall auf ein Bier gehen.

„Was war meine Leistung?“ fragten sich bekanntlich schon einige Österreicher, wenn auch nicht im Kontext der eigenen Geburt. Ich habe nichts dazu getan, um zur Welt zu kommen. OK, ich hab auch nicht viel dagegen gemacht aber seien wir uns ehrlich, was waren meine Optionen? Ich bin trotzdem der Meinung, dass an diesem Tag eigentlich jene Frau im Mittelpunkt stehen sollte, die mich 9 Monate im Bauch getragen, ohne Unterstützung eines Partners aufgezogen und ernährt hat.

Soviel man seinen Müttern auch vorwerfen kann, die meisten haben getan, was sie konnten.

Also, bitte. Wenn ihr heute unbedingt irgendjemandem gratulieren müsst, dann gratuliert meiner Mutter, dass sie trotz der Aufzucht eines Monsters noch immer quietschfidel und wohlauf ist. Danke.

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Herr der Fliegen


Spinnen Sie? Ich meine, mögen Sie Spinnen? Ich hab die Viecher gehasst, bis ich ein Haus mit Garten und Mülltonne am Rande des Augebiets gekauft habe.

Wenn man einmal eine Müllabholung verpasst, kann das weitreichende Folgen haben. Vor allem, wenn man in der vergangenen Woche für 10 Erwachsene und 10 Kinder Fisch gegrillt hat und die Mülltone berstend voll mit Karkassen der verspeisten Tiere sind. Wissen Sie wie viele tausend Maden in eine herkömmliche 90 Liter Mülltonne passen und wussten Sie, dass die Maden gegen Essig, Insektenvernichtungsmittel und Ekelgefühle vollkommen immun sind?

Nichts hat geholfen, nichts! Und wenn man beim Vortrag der Kinderbücher aufgepasst hat, weiß man, dass Maden meist keine Maden bleiben, sondern sich in etwas mit Flügeln verwandeln. In unserem Fall wars leider nicht so, wie unser Junior vermutete, dass sich all die kleinen Raupen Nimmersatt in schöne bunte Schmetterlinge verwandelten. Nein, unsere Maden waren stinknormale Stubenfliegenlarven und entsprechend hoch ist nun die Population dieser kleinen, lästigen Biester.

Ich kann nicht mehr. Sobald ich eine Fliege höre oder sehe, muss ich sie töten. Beim Fenster raus scheuchen ist keine Option mehr. Sie muss sterben.
Ich weiß, wenn man das so liest, hört es sich furchtbar brutal an aber würde sich noch eine Fliege in mein Gesicht setzen, ich müsste meinen Kopf zum Explodieren bringen, um sie mit in den Tod zu reißen.

Was das nun bedeutet?

  1. Ich habe neue Verbündete
  2. Ich habe ein neues Hobby „Fliegenklatschen“
Meine Verbündeten sind die Spinnen. Anfangs fand ich, dass es am Land bedeutend zu viele Oktopoden gibt aber jedes Flügelvieh, das sie übernehmen, erspart mir einen Hieb mit der Fliegenklatsche. Sie dürfen groß und klein sein, einen fetten Hintern haben oder schnell davonlaufen, das ist mir mittlerweile alles egal. Hauptsache, Sie fressen Fliegen. Ich frag mich nur, was wir mit unserer Fischgrillerei losgetreten haben. haben wir das ökologische Gleichgewicht in unserem garten derart ins Schwanken gebracht und als nächstes droht uns eine Spinnenflut? And what’s next? Krötenexplosion?
Um nicht völlig die Kontrolle zu verlieren, muss ich selbst Hand anlegen, habe mir aus diesem Grund eine Fliegenklatsche besorgt und kann mit Fug und Recht behaupten, es war die beste Investition seit Jahren. Vom Haus abgesehen und meinem Computer. Aber mit einem 27″ iMac kann ich keine Fliegen erschlagen. Ich meine, ich könnte schon aber erstens wäre der Anblick einfach nur skurril und komisch und ich habe nicht die Absicht, als Mann mit der schwersten und teuersten Fliegenklatsche ins Guiness Buch der Rekorde zu gelangen.
Deswegen Fliegenklatsche und voll zufrieden. Wait, my spidersenses are tingling! Ich muss zur Tat schreiten, die Biester fallen über meinen schlafenden Sohn her.

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Feuer und Musik


Ein Feuer hat etwas Magisches, etwas unheimlich Anziehendes und gleichzeitig sehr Beruhigendes, sofern es kontrolliert brennt 😉 Und anscheinend gibt es für Männer im besten Alter, also meinem Alter, nichts Schöneres, als am Feuer zu sitzen und bei guter Musik und Bier hineinzustarren.

Ja, ich bin keine 20 mehr und ich hab, seit ich hier wohne, noch nie das Bedürfnis gehabt, eines dieser Lokale aufzusuchen, in denen Menschen, die allesammt gut 10 Jahre jünger sind als ich, sich zecks Stimmungsaufhellung und späterer Begattung, volllaufen lassen. Vielleicht hast du recht und der Neid spricht aus mir. Vielleicht hast du auch recht, wenn du sagt, ich wär ein alter Sack und sollte ohnehin zuhause bleiben. Vielleicht ist das Konzept des „Fortgehens“ aber auch überholt und gehört überdacht und ersetzt.

Ich kenne den wahren Grund, warum ich nicht raus will. In vielen dieser Lokale habe ich als Jugendlicher meine Spuren hinterlassen und als ich vor 16 Jahren nach Wien gezogen bin, habe ich diese Spuren mit einem erleichterten Seufzer hinter mir gelassen. Nicht sofort aber stetig. Wie einen von Schuldgefühlen geplagten Täter, trieb es mich die ersten paar Jahre immer wieder an die Orte der Versumpfung zurück, bis ich erkannte, dass das auch nix hilft.

Mein Bewusstsein entschloss sich irgendwann, unterstützt von Unmengen an Alkohol, sich nicht mehr an die Zeit der Selbstzerstörung zu erinnern und ich kann mich nur mehr an Begebenheiten oder Menschen aus der Zeit zwischen 1990 und 2000 erinnern, wenn mir jemand davon erzählt. Selbst dann sind die Erinnerungen sehr verschwommen oder vorgetäuscht. „Ahh ja, weiss schon…“ – nix weiss ich. Warum sollte ich mich auch an all die Erniedrigungen erinnern wollen.

Jetzt, da ich und einige andere Ex-Wiener wieder in der Heimat unserer Jugendzeit wohnen, scheint es für den ein oder anderen interessant zu sein, an die Tatorte der Jugendlichkeit zurückzukehren und das Werk fortzuführen. „Is doch klass!“ hör ich sie sagen. „Warum nicht?“ hör ich sie fragen.

Weil ich nichts mehr wissen will von meinen Saufgelagen mit den alten Kumpels und nicht in einer Suppe aus Melancholie und Wir-sind-eh-noch-cool badend, die Geschichten immer und immer wieder aufgetischt bekommen möchte. Dazu sind nicht mal andere Menschen notwendig. Es reichen schon alte Flecken an der Wand, der Fliesenboden und die Garderobe in miefigen Kellerlokalen, der Geruch von Bosna oder der Klang eines Saxophons durch 3 Brandschutztüren.

Das Feuer des Fortgehens ist auf Sparflamme geschalten, dafür brennen die Feuer in unseren Gärten umso heller.

Warum sollte ich in irgendein Lokal gehen, in dem sie Musik spielen, die mir auf den Sack geht, wenn ich mit meinen Kumpels Jimmy Hendrix, Flaming Lips und Frank Zappa am Lagerfeuer hören kann. That’s all I need.
Und es ist schön, wenn die Höhepunkte sich in Form eines alten Weihnachtsbaums zeigen, der in den Feuerkorb gesteckt wird un der in Windeseile, mit meterhoch züngelnden Flammen abbrennt. Wenn sich alle um das Feuer Versammelten gleichzeitig denken: „Wenn der noch lange brennt, kommt die Feuerwehr!“ Und sobald die Flammen wieder kleiner werden, ein gemeinsames, verschworenes Lächeln aufsetzen und zur Bierflasche greifen.

Das gibt mir wesentlich mehr, als ein „Geil war es gestern wieder in der Alm-Bar!“

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There’s no place like home


Es war eigenartig. Ich kam mir ein wenig vor wie Dorothy im Land des Zauberers, als ich vor einigen Tagen am Westbahnhof ausgestiegen bin und mir wieder ins Gedächtnis gerufen wurde, wie schön es doch zuhause ist.

 

Wir haben es einfach schön hier. Ich liebe den Garten, ich liebe das Haus, ich liebe die geringe Anzahl der Menschen, die sich innerhalb meines Aktionsradius aufhalten. Ganz anders als in der Zeit, in der wir in Krems gewohnt hatten, will ich hier gar nichts anderes haben. Mir geht die Stadt nicht ab, nicht im Geringsten. Das war mir vorletzte Woche schon klar. Da musste ich leider einen geplanten Wien Ausflug absagen und bekam stattdessen sehr netten Besuch in meinen eigenen vier Wänden. Und obwohl es unangenehm war, den Leuten abzusagen und ich es auch schade fand, nicht nach Wien zu kommen, war ein Teil von mir überhaupt nicht enttäuscht darüber, daheim bleiben zu können.

 

Vergangene Woche war es dann doch endlich soweit. Montag, Dienstag wurde noch fleißig gearbeitet, am Mittwoch gings dann auf die meshed 3 nach Linz und von dort aus gleich weiter nach Wien, wo ich mich schon mit einigen Freunden und vielen neuen Bekannten verabredet hatte.

Die Meshed war recht intensiv, bot viel Input und die Gelegenheit viele Menschen hinter den Avataren kennzulernen. Dementsprechend geschlaucht stieg ich dann in den um fast 2 Stunden verspäteten Zug nach Wien und freut mich schon auf einen ruhigen Abend. Was ich daran überhaupt nicht bedacht hatte, war, dass es in Wien keine ruhigen Abende gibt. Jaja, man kann sagen, die Stadt pulsiert. Man kann aber auch behaupten, dass es enorm laut ist, die ganze Zeit – was für ein Stress.

 

Ich bin ein Landei, so viel steht fest und ich schäme mich gar nicht dafür. Ich will auch nicht urteilen über Menschen, die in Städten wohnen, es ist einfach nichts mehr für mich. Früher hatte das Einfahren in Wien immer den Charakter des Nachhausekommens, mittlerweile bin ich hier fremd. Ich find nicht mal den Mischek Tower, wenn man’s mir 5 mal erklärt.

Und ich bin zufrieden damit. Mir gehts gut. Und das ist schön.

 

Das musst auch mal gesagt werden.

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„Bring sie alle um!“


Wo ist eigentlich die Zeit seit dem letzten Eintrag hingekommen? Die ist durch die kleinen Ritzen zwischen Zahnschmerzen, Arbeit und Baustelle durchgerieselt und liegt jetzt wie Staub in irgendwelchen Universumsecken rum, in die ich nicht mal mit einem Besen komme.

Leichen im KellerAm liebsten würde ich alles auf einmal schreiben…aber…was weiß ich eigentlich noch aus den letzten Wochen? Sie waren hart, für uns alle. Ich habe die Klugscheißerei unserer Helfer nur mehr schwer ertragen und wenn es nach mir gegangen wäre, hätten die alle gehen können, Claudia gleich mit. Ich durfte ihr gegenüber nicht mal mehr den kleinsten Hauch einer Kritik an unseren Helfern äußern, ohne dass ihr der Kragen geplatzt wäre. Jede Entscheidung, die ich traf, wurde angezweifelt und das Gegenteil war das, was wir tun sollten. Es war nicht mehr zum Aushalten. Ja, ich weiß, dass das nur meine Wahrnehmung und der Stress war, zumindest weiß ich das teilweise. Trotzdem wäre die Situation oft beinahe eskaliert und ich ertappte mich beim Nachdenken, ob es nicht doch besser gewesen wäre in Wien zu bleiben. Und die kleine, mächtige Stimme in meinem Kopf flüstert mir Dinge, die ich hier nicht (noch einmal) schreiben möchte aber ich habe keine Lust auf ein paar Leichen im Keller.

MEIN GARTEN

In Wien hätten wir keinen Garten, nur einen Park, den man sich mit den Junkies und/oder tausend anderen Bobo-Eltern und ihren Gschrappen teilt und der Weg dorthin war immer ein schnelles, von Lärm erfülltes von A nach B hetzen. Der Garten, unser Garten, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, ist wundervoll. Mika liebt es zu graben und zu wühlen, zu pantschen und er liebt es sich dreckig zu machen. Und ich liebe es ihm dabei zuzusehen, wenn er an dem kleinen Tisch, den wir ihm im Garten aus ein paar Ziegelsteinen und einer Holzplatte gebastelt haben, mit einer beneidenswerten Konzentration und Hingabe aus Erde, Gras und Wasser ein Essen für die ganze Baustelle kocht. Er hat mich auch schon eingeladen mitzukochen und das Stochern im Matsch und das Umwühlen mit den Händen im Dreck ist ein haptischen Vergnügen, echt.

DER WEG IST DAS ZIEL

Wenn Mika fertig ist mit Kochen, ruft er mich fast täglich zum „Kühe gehen!“ Damit meint er die Tiere vom Schaberl Hof, einem Bauernhof in Fußreichweite, bei dem wir immer Brot und andere Lebensmittel kaufen (allein die Tatsache, einen Biob-Bauernhof in Fußreichweite zu haben, tröstet mich). Es hat sich eingebürgert, dass wir einmal am tag von der Baustelle Richtung Schaberl Hof gehen. Ich sage bewusst „Richtung“, denn wir kommen nur an den wenigsten Tagen auch wirklich dort an. Viel wichtiger als die Kühe und der Hof, sind die Kleinigkeiten, die uns am Weg ins Auge stechen, die Kieselsteine unter unseren Füßen, die großen Steine, die man super werfen kann, der Käfer, der sich durch die Wiese plagt. Wann seid ihr zum letzten mal an einem Wegesrand gesessen? Ich meine nicht Cafe Latte schlürfend in einem Strassencafè, sondern mit dem Hosenboden in der Wiese und alles rundherum ist Natur.

DAS HAUS

Das Haus macht super Fortschritte, trotz aller Widrigkeiten. Man darf nicht auf alle Ratgeber hören, das darf man nicht. Man muss seine eigenen Meinung haben und gut aufpassen, dass man nicht irgendwann glaubt, es wäre die eigene Überzeugung, wenn man ständig zu hören bekommt „Das muss man schon so machen… Ich hätte das ja anders geplant… Das werdet ihr bereuen, machts doch lieber so…“
Claudia wiederum ging es auf die Nerven nie richtig mit dabei zu sein. So hat sie eben ihre Situation empfunden. Ohne jetzt näher auf Details eingehen zu wollen: wir haben beschlossen, dass es wohl das Beste ist, wenn sie die Baustellenleitung übernimmt und ich mich wieder mehr um unseren Sohn kümmere.

Die Heizkörper hängen an ihren Plätzen, alle Heizungsrohre im Wohnbereich sind gelegt, die Stemmarbeiten vorbei und alles schon grob verputzt. Heute und morgen bringt unser Maurer „Ich mehn mir jetzt endlich mal ein Bier“ Bruno noch den Feinputz an und am Wochenende wird schon Farbe an die Wände geklatscht. Unglaublich.

ZWEIFEL

Das liest sich alles super, aber mir gehts gerade nicht so gut mit unserer Entscheidung des Landlebens. Ich wollte nie Familienanschluss und was uns die Omas erleichtern, erschweren sie uns an vielen anderen Stellen. Ich lebe gerade ein sehr fremdbestimmtes Leben und komme mir sehr eingeteilt vor. Dazu kommt die sehr geringe Auswahl an Jobmöglichkeiten, die ohne Übertreibung katastrofal sind. Ich muss meine alten Kontakte wieder aktivieren, so geht das nicht. Das AMS macht hier wesentlich mehr Stress als in Wien, ich muss mich ständig bewerben. Morgen habe ich ein sinnloses Vorstellungsgespräch bei einem uninteressanten Unternehmen, die eine Stelle ausgeschrieben haben, für die ich heillos überqualifiziert bin. Mein Ansprechpartner hat mir bei der telefonischen Terminvereinbarung schon gesagt, dass es bei ihnen keiner sehr lange aushält. Was für Aussichten!

Es wird schon, das weiß ich. Ich hab nur gerade ein Tief. Morgen spann ich meinen Regenschirm auf, dann scheint sicher wieder die Sonne 🙂

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Ich zerstöre mein Leben gerne


Ich zerstöre mein Leben gerne, zum Beispiel mit dem Kauf eines sanierungsbedürftigen Hauses. Das wollte ich aber gar nicht schreiben, eigentlich hätte es heißen sollen: FÜR.

Ich zerstöre für mein Leben gerne (was so ein kleines Wörtchen ausmachen kann, was?) aber ich bekomme viel zu selten die Gelegenheit dazu. Der Gelegenheiten gibt es momentan genug und ich gehe in der Tätigkeit des Abrissunternehmens voll auf. Seit 5 Tagen, also noch nicht einmal einer Woche, gehört uns das Haus und in der Metamorphose vom Pesionsidyll zum Jungfamilienhaus, befindet es sich momentan im Zustand der Undefiniertheit voller Löcher, Dreck und guter Hoffnung. Innerhalb dieser 5 Tage haben wir es geschafft, etwas Bewohnbares in etwas Desaströses, ein Haus in eine Baustelle zu verwandeln und immer tiefer in den Sog der Sanierung zu rutschen. Es ist alles auf Kurs und solange wir arbeiten, geht es uns gut, wir dürfen nur nicht zu viel Zeit zum Nachdenken haben – ja, das hat sich noch immer nicht geändert. Nachdenken ist Gift, in einer Situation wie dieser und der nächste manisch-depressive Anfall lauert immer um die nächste Ecke. Also, was tun? Richtig, nie aufhören zu arbeiten – immer brav weiter zerstören!

zerstörtes Haus

Die Reinigung

Teil 1 unserer Unternehmung war aber eher reinigender Art. Ausmisten. Es ist unglaublich, was Menschen im Laufe ihres Lebens alles aufheben. Der Plan war eigentlich, alles was im Haus an Möbel und Einrichtungsgegenständen zu finden ist kurz und klein zu hauen, in einen Container zu werfen und auf die nächste Mülldeponie bringen zu lassen. Claudsch meinte dann aber, es wäre schade um die Möbel, sie seien sicher noch zu brauchen und wir sollten sie im Internet gegen Selbstabholung anbieten. Warum nicht. Ich schoss also ein paar Fotos von den Kästen und Schränken und bemerkte erst beim Hochladen der Fotos, dass ich von keinem einzigen Teil die Maße genommen hatte. So machte das natürlich keinen Sinn. Aber das brachte mich auf eine andere Idee. Meine Mutter kennt immer irgendjemand, der irgendjemand kennt, der vielleicht genau das brauchen könnte. Hab sie also angerufen, sie meinte, sie würde sich umhören, wüsste jetzt spontan aber niemanden. Das war eine Enttäuschung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Sie machte jetzt nichts schlimmer, aber ich dachte mir, das Telefonat würde mich von den riesigen Einbauschränken befreien.

Manchmal braucht es aber lediglich ein paar Minuten Geduld, denn keine halbe Stunde später rief mich meine Mutter zurück, sie wolle mit einer Frau ins Haus kommen, die Interesse an den Möbeln hätte. Und was für ein Interesse die gute Frau hatte. Nicht nur, dass sie die beiden Kästen nahm, sie wollte auch die alte, schmierige Küche, den gesamten Hausrat und beinahe alles, was wir uns in diesem Haus nicht selbst behalten wollten. Zack, Tag eins und alle Möbel waren verschenkt und bis Samstag war alles aus dem Haus – unglaublich.

Gut, ich musste mich natürlich darum kümmern, dass das was ich als Mist und Berta als Einnahmequelle bezeichnete auf einen Haufen geräumt wird und mir war auch nach dem ersten Möbelstück klar, dass es wesentlich schneller gehen würde, wenn ich es selbst abmontierte, aber hey, das Zeug hatte einen Abnehmer und ich ersparte mir wieder einiges an Kosten.

Die Zerstörung

Die restlichen Arbeiten bis jetzt waren rein destruktiver Art und ich liebe es. Ich hatte mir vorgenommen, dass die Holzdecken das erste wären, das ich rausreißen würde und es war mir ein höllisches Vergnügen das mit brachialer Gewalt und unter ebenso brachialen Muskelschmerzen zu tun. Die Seitenhiebe meines Schwiegervaters („Alles muss er kaputt machen“) nahm ich mit dem Lächeln eines Zen Mönchs zur Kenntnis.

Für Sepp ist das schwer zu verstehen, dass man in einem Haus so leben möchte, wie es einem selbst gefällt und nicht in einem Umfeld, das so sicher noch Jahrzehnte lang Bestand hätte und schon da ist. Ich habe ihm gegenüber diesen Vergleich nicht gebracht, aber falls ein Kuhfladen mein einziger Besitz wäre, würde ich auch versuchen ihn rosarot zu lackieren, anstatt ihn braun zu lassen. Würde mir eben besser gefallen. Sepp würde ihn sicher in seiner natürlichen gestalt lassen, denn alles andere würde eine unnötige Investition und (Gott bewahre) vielleicht sogar eine Wertminderung darstellen. Was existiert und keine Mängel aufweist ist schön genug. Eigentlich eine beneidenswerte Einstellung.

Ich bin nicht so. Ich will das alles nicht und jede Sekunde zuviel mit diesem atlten Klumpert bringt mich mehr in Rage – ich muss es zerstören!

Und das tue ich wie gesagt auch unablässig. Ich reisse die Holzdecken raus (das ist mehr Arbeit als man jetzt ahnen mag), haue die übrigen Möbel kurz und klein, reisse den funktionslosen Kachelofen im Wohnzimmer ein und so weiter und so weiter.

Dazwischen kommt immer wieder irgendjemand, der sich dieses oder jenes abholt und so bleibt eigetlich kaum etwas übrig, das ich noch auf den Müllplatz bringen muss.

Der Wiederaufbau

Das Eigenartige an dieser Situation ist ja, dass man sich in der destruktiven Arbeitsphase bereits über den Wiederaufbau Gedanken machen muss. Zum Beispiel über die Heizung und hier gab es bei weitem die positivste Überraschung. Wir hatten schon damit gerechnet, den großen Kellerraum, in dem sich momentan die Werkstatt befindet, als Heizraum verwenden zu müssen. Zwei von drei Installateuren hatten uns gesagt, dass sich Kessel und Pelletstank im kleinen Raum nicht ausgehen werden, da die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände nicht eingehalten werden können. DI Kostov war mit Abstand der Engagierteste, der sein Angebot zwar nach hinten verschoben hat, dafür aber mit einer Lösung kam, die uns alle befriedigt.

Wir müssen jetzt nur mehr den neuen Energieausweis abwarten und hoffen, dass der nicht zu schlecht ausfällt. Ein sehr sarkastisches Danke, liebes Atelier Schwemmer, das hätte unkomplizierter gehen können, wenn ihr euren Job gewissenhaft erledigt und nicht blind auf irgendwelche Software vertraut hättet.

Das Ende?

Ich hoffe nicht. Ich hoffe, nicht. Welcher Satz ist richtig formuliert? So oder so, morgen faehren wir ins Möbelhaus und lassen die Küche planen *seufz* 😉

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Eingeordnet unter Haus, Ranshofen, Umbau

Termine, Termine, Termine


Die Schlinge zieht sich zu. Wenn wir nicht sofort den Flug buchen und alle Verbindungen kappen, ist es zu spät…zu spät.

Termine, Termine, TermineAber es wäre auch unangebracht abzuhauen, jetzt, wo wir uns schon so selbst eingeredet haben, dass es das Beste ist, ins Innviertel zu ziehen und die Lichter der Großstadt nur mehr wie Irrlichter im Sumpf der Erinnerung (das ist der kleine matschige Teil des Großhirns) erscheinen. Und ganz ohne Scheiß: es ist herrlich hier. „Sohn, geh in den Garten spielen!“ „NEIN!“ „Aber es ist so schön draussen…“ „NEIN!“ Dann eben nicht, Hauptsache ich bin draussen, sitz in der Sonne, trinke Kaffee und wundere mich am nächsten Tag über eine leichte Verkühlung, weil es doch gar nicht so warm war. Sonne alleine heißt nix.

Naja, und so gehts dahin. Heute war a gschafftiger Tog, wie der Innviertler zu sagen pflegt und damit meint, dass er heute viel erledigt habe. Und beim Teutates, das haben wir. In der Früh zur Bank nach Mauerkirchen, gleich im Anschluss zum Notar in Braunau, kleine Mittagspause in der Neustadt (da wohnt meine Mutter – aber wer das liest, weiß das ohnehin und wenn nicht, dann raus hier!) dann ins Haus nach Ranshofen, den Energieberater treffen, zurück nach Burgkirchen und dann wieder nach Braunau, weil ich mit Stefan M. verabredet war.

Der Termin mit dem Energieberater war interessant. Jetzt hab ich zumindest ansatzweise einen Plan, wie das mit den Förderungen und Arbeiten ablaufen könnte und sollte. Was wir auf jeden Fall machen werden, ist den Dachboden, also den Boden vom Dachboden, mit Dämmwolle und die Kellerdecke mit Styropor dämmen, eine Pelletsheizung kommt rein, gleich mit den Leitungen bis zum Dach, damit wir später eine Warmwasseraufbereitung über eine kleine Solaranlage einbauen können und dann werden noch ein bis zwei Mauern eingerissen. Das sind mal die für die Förderung relevanten Arbeiten.

Diese Holzdecken müssen raus. Die müssen raus! Und die Fliesen vom Ofen müssen runter. Die müssen runter! Sonst zieh ich nicht ein.

Morgen treff ich mich möglicherweise mit einem möglichen Arbeitgeber. Da sollte ich mir vielleicht noch überlegen, wieviel ich wirklich verdienen will. 2000 bis 3000 Euro für 25 Stunden find ich angemessen. Plus 13. und 14., 6 Wochen Urlaub im Jahr und Home Office. Das Firmenauto ist verhandelbar, da poche ich echt nicht drauf. WAS? Ist doch angemessen, oder? Schließlich war ich nicht umsonst jahrelang in Wien und hab dort…gearbeitet…und so.
Wenn er wieder mit dem unterschiedlichen Lohnniveau in der Stadt und am Land kommt, dann geb ich ihm die Telefonnummer meines letzen Arbeitgebers, der ihm dann erzählen kann, was man von mir bekommt, wenn man mir zu wenig bezahlt.

Mist, ich komm grad drauf, dass das Internet in Österreich ja jedermann offen steht. Vielleicht liest er das ja. Verdammt, warum sind wir nicht in Ägypten.

Aber mal was ganz anderes. Welche Tranqulizer sind eigentlich zur Anwendung an unter 3-jährigen freigegeben? Der Bub will nicht mehr schlafen. Geht um 10:00 oder 11:00 ins Bett, steht um 8:00 wieder quietsch- (ja, QUIETSCH) fidel auf und hält durch bis Nachmittag. Dann gibts den großen Einbruch, aber bloß keine Mittagspause, bloß nicht. An dieser Stelle vielleicht ein bisserl Kinder® Speed und ab 19:00 kleine Dosen an Benzoüberaschung™. Hilft auch nix, da zeig ich ihm noch lieber Internetpornos oder Blumen.

Irgendwie ist mir das jetzt entglitten. Gute Nacht!

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Wir haben tatsächlich ein Haus gekauft!


Unser Haus in RanshofenMann, oh Mann! Wenn ich heute mein 20-jähriges Ich getroffen hätte, ich hätte mit wahrscheinlich eine Ohrfeige verpasst – wäre nur interessant, wer schneller wäre. Trau dich nur, du junger Hupfer! Aber ich fang schon wieder ganz falsch an.

Die Nacht auf heute war sehr unruhig, wir konnten kaum schlafen. Nicht, dass wir wegen eines möglichen Fehlers so nervös gewesen wären, aber ein Hauskauf verändert sehr einfach sehr viel. Man muss nur zwei Unterschriften leisten und das wars dann. Und das haben wir heute auch gemacht, sind nach dem Frühstück ins Notariat gefahren, haben unterschrieben, sind wieder gegangen – that’s it.

Ich würd mich gern mehr freuen, als ich grade im Stande bin und trotzdem:

WOOOOOT! Wir haben ein Haus gekauft! YEAH!

Ich hab schon einen Baum gepflanzt (zwar in einem anderen Garten, aber was soll’s), einen Sohn gezeugt, ein Haus gekauft – was bleibt jetzt eigentlich noch zu tun?

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