Archiv der Kategorie: Leben im Allgmeinen

Geburtstag


Ich habe heute Geburtstag und keinen Ort mich zu verstecken.

Die letzten Jahre habe ich immer den Schutz der Großstadt genutzt, um der Heerschar an Gratulanten und Wir-wollen-Party-feiern-Menschen zu entgehen und meinen Geburtstag mit mir alleine zu verbringen.

Das ist ja auch ok so. Kein Mensch sollte sich an seinem Geburtstag gezwungen fühlen, etwas anderes zu machen, als das, was er gerne macht. Ich bin gerne alleine. Für mich ist das auch kein Problem und alleine der Gedanke an die Menschen, die beleidigt sind, wenn sie mich an meinem Geburtstag nicht erreichen, um mir zu gratulieren, makes me sick.

Schauen wir uns das Problem mal genauer an:

Ich kam durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Das heißt, meine Mutter war in gewisser Weise bei meiner Geburt nicht anwesend – ich war auf der Welt und das erste mal alleine, schön. Ich weiß nicht, wie der Arzt heißt, der mich auf die Welt gebracht hat und ob der überhaupt noch lebt aber mit dem würd ich auf jeden Fall auf ein Bier gehen.

„Was war meine Leistung?“ fragten sich bekanntlich schon einige Österreicher, wenn auch nicht im Kontext der eigenen Geburt. Ich habe nichts dazu getan, um zur Welt zu kommen. OK, ich hab auch nicht viel dagegen gemacht aber seien wir uns ehrlich, was waren meine Optionen? Ich bin trotzdem der Meinung, dass an diesem Tag eigentlich jene Frau im Mittelpunkt stehen sollte, die mich 9 Monate im Bauch getragen, ohne Unterstützung eines Partners aufgezogen und ernährt hat.

Soviel man seinen Müttern auch vorwerfen kann, die meisten haben getan, was sie konnten.

Also, bitte. Wenn ihr heute unbedingt irgendjemandem gratulieren müsst, dann gratuliert meiner Mutter, dass sie trotz der Aufzucht eines Monsters noch immer quietschfidel und wohlauf ist. Danke.

Werbeanzeigen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Leben im Allgmeinen, Ranshofen

Herr der Fliegen


Spinnen Sie? Ich meine, mögen Sie Spinnen? Ich hab die Viecher gehasst, bis ich ein Haus mit Garten und Mülltonne am Rande des Augebiets gekauft habe.

Wenn man einmal eine Müllabholung verpasst, kann das weitreichende Folgen haben. Vor allem, wenn man in der vergangenen Woche für 10 Erwachsene und 10 Kinder Fisch gegrillt hat und die Mülltone berstend voll mit Karkassen der verspeisten Tiere sind. Wissen Sie wie viele tausend Maden in eine herkömmliche 90 Liter Mülltonne passen und wussten Sie, dass die Maden gegen Essig, Insektenvernichtungsmittel und Ekelgefühle vollkommen immun sind?

Nichts hat geholfen, nichts! Und wenn man beim Vortrag der Kinderbücher aufgepasst hat, weiß man, dass Maden meist keine Maden bleiben, sondern sich in etwas mit Flügeln verwandeln. In unserem Fall wars leider nicht so, wie unser Junior vermutete, dass sich all die kleinen Raupen Nimmersatt in schöne bunte Schmetterlinge verwandelten. Nein, unsere Maden waren stinknormale Stubenfliegenlarven und entsprechend hoch ist nun die Population dieser kleinen, lästigen Biester.

Ich kann nicht mehr. Sobald ich eine Fliege höre oder sehe, muss ich sie töten. Beim Fenster raus scheuchen ist keine Option mehr. Sie muss sterben.
Ich weiß, wenn man das so liest, hört es sich furchtbar brutal an aber würde sich noch eine Fliege in mein Gesicht setzen, ich müsste meinen Kopf zum Explodieren bringen, um sie mit in den Tod zu reißen.

Was das nun bedeutet?

  1. Ich habe neue Verbündete
  2. Ich habe ein neues Hobby „Fliegenklatschen“
Meine Verbündeten sind die Spinnen. Anfangs fand ich, dass es am Land bedeutend zu viele Oktopoden gibt aber jedes Flügelvieh, das sie übernehmen, erspart mir einen Hieb mit der Fliegenklatsche. Sie dürfen groß und klein sein, einen fetten Hintern haben oder schnell davonlaufen, das ist mir mittlerweile alles egal. Hauptsache, Sie fressen Fliegen. Ich frag mich nur, was wir mit unserer Fischgrillerei losgetreten haben. haben wir das ökologische Gleichgewicht in unserem garten derart ins Schwanken gebracht und als nächstes droht uns eine Spinnenflut? And what’s next? Krötenexplosion?
Um nicht völlig die Kontrolle zu verlieren, muss ich selbst Hand anlegen, habe mir aus diesem Grund eine Fliegenklatsche besorgt und kann mit Fug und Recht behaupten, es war die beste Investition seit Jahren. Vom Haus abgesehen und meinem Computer. Aber mit einem 27″ iMac kann ich keine Fliegen erschlagen. Ich meine, ich könnte schon aber erstens wäre der Anblick einfach nur skurril und komisch und ich habe nicht die Absicht, als Mann mit der schwersten und teuersten Fliegenklatsche ins Guiness Buch der Rekorde zu gelangen.
Deswegen Fliegenklatsche und voll zufrieden. Wait, my spidersenses are tingling! Ich muss zur Tat schreiten, die Biester fallen über meinen schlafenden Sohn her.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Haus, Leben im Allgmeinen, Ranshofen

Feuer und Musik


Ein Feuer hat etwas Magisches, etwas unheimlich Anziehendes und gleichzeitig sehr Beruhigendes, sofern es kontrolliert brennt 😉 Und anscheinend gibt es für Männer im besten Alter, also meinem Alter, nichts Schöneres, als am Feuer zu sitzen und bei guter Musik und Bier hineinzustarren.

Ja, ich bin keine 20 mehr und ich hab, seit ich hier wohne, noch nie das Bedürfnis gehabt, eines dieser Lokale aufzusuchen, in denen Menschen, die allesammt gut 10 Jahre jünger sind als ich, sich zecks Stimmungsaufhellung und späterer Begattung, volllaufen lassen. Vielleicht hast du recht und der Neid spricht aus mir. Vielleicht hast du auch recht, wenn du sagt, ich wär ein alter Sack und sollte ohnehin zuhause bleiben. Vielleicht ist das Konzept des „Fortgehens“ aber auch überholt und gehört überdacht und ersetzt.

Ich kenne den wahren Grund, warum ich nicht raus will. In vielen dieser Lokale habe ich als Jugendlicher meine Spuren hinterlassen und als ich vor 16 Jahren nach Wien gezogen bin, habe ich diese Spuren mit einem erleichterten Seufzer hinter mir gelassen. Nicht sofort aber stetig. Wie einen von Schuldgefühlen geplagten Täter, trieb es mich die ersten paar Jahre immer wieder an die Orte der Versumpfung zurück, bis ich erkannte, dass das auch nix hilft.

Mein Bewusstsein entschloss sich irgendwann, unterstützt von Unmengen an Alkohol, sich nicht mehr an die Zeit der Selbstzerstörung zu erinnern und ich kann mich nur mehr an Begebenheiten oder Menschen aus der Zeit zwischen 1990 und 2000 erinnern, wenn mir jemand davon erzählt. Selbst dann sind die Erinnerungen sehr verschwommen oder vorgetäuscht. „Ahh ja, weiss schon…“ – nix weiss ich. Warum sollte ich mich auch an all die Erniedrigungen erinnern wollen.

Jetzt, da ich und einige andere Ex-Wiener wieder in der Heimat unserer Jugendzeit wohnen, scheint es für den ein oder anderen interessant zu sein, an die Tatorte der Jugendlichkeit zurückzukehren und das Werk fortzuführen. „Is doch klass!“ hör ich sie sagen. „Warum nicht?“ hör ich sie fragen.

Weil ich nichts mehr wissen will von meinen Saufgelagen mit den alten Kumpels und nicht in einer Suppe aus Melancholie und Wir-sind-eh-noch-cool badend, die Geschichten immer und immer wieder aufgetischt bekommen möchte. Dazu sind nicht mal andere Menschen notwendig. Es reichen schon alte Flecken an der Wand, der Fliesenboden und die Garderobe in miefigen Kellerlokalen, der Geruch von Bosna oder der Klang eines Saxophons durch 3 Brandschutztüren.

Das Feuer des Fortgehens ist auf Sparflamme geschalten, dafür brennen die Feuer in unseren Gärten umso heller.

Warum sollte ich in irgendein Lokal gehen, in dem sie Musik spielen, die mir auf den Sack geht, wenn ich mit meinen Kumpels Jimmy Hendrix, Flaming Lips und Frank Zappa am Lagerfeuer hören kann. That’s all I need.
Und es ist schön, wenn die Höhepunkte sich in Form eines alten Weihnachtsbaums zeigen, der in den Feuerkorb gesteckt wird un der in Windeseile, mit meterhoch züngelnden Flammen abbrennt. Wenn sich alle um das Feuer Versammelten gleichzeitig denken: „Wenn der noch lange brennt, kommt die Feuerwehr!“ Und sobald die Flammen wieder kleiner werden, ein gemeinsames, verschworenes Lächeln aufsetzen und zur Bierflasche greifen.

Das gibt mir wesentlich mehr, als ein „Geil war es gestern wieder in der Alm-Bar!“

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Leben im Allgmeinen, Ranshofen

There’s no place like home


Es war eigenartig. Ich kam mir ein wenig vor wie Dorothy im Land des Zauberers, als ich vor einigen Tagen am Westbahnhof ausgestiegen bin und mir wieder ins Gedächtnis gerufen wurde, wie schön es doch zuhause ist.

 

Wir haben es einfach schön hier. Ich liebe den Garten, ich liebe das Haus, ich liebe die geringe Anzahl der Menschen, die sich innerhalb meines Aktionsradius aufhalten. Ganz anders als in der Zeit, in der wir in Krems gewohnt hatten, will ich hier gar nichts anderes haben. Mir geht die Stadt nicht ab, nicht im Geringsten. Das war mir vorletzte Woche schon klar. Da musste ich leider einen geplanten Wien Ausflug absagen und bekam stattdessen sehr netten Besuch in meinen eigenen vier Wänden. Und obwohl es unangenehm war, den Leuten abzusagen und ich es auch schade fand, nicht nach Wien zu kommen, war ein Teil von mir überhaupt nicht enttäuscht darüber, daheim bleiben zu können.

 

Vergangene Woche war es dann doch endlich soweit. Montag, Dienstag wurde noch fleißig gearbeitet, am Mittwoch gings dann auf die meshed 3 nach Linz und von dort aus gleich weiter nach Wien, wo ich mich schon mit einigen Freunden und vielen neuen Bekannten verabredet hatte.

Die Meshed war recht intensiv, bot viel Input und die Gelegenheit viele Menschen hinter den Avataren kennzulernen. Dementsprechend geschlaucht stieg ich dann in den um fast 2 Stunden verspäteten Zug nach Wien und freut mich schon auf einen ruhigen Abend. Was ich daran überhaupt nicht bedacht hatte, war, dass es in Wien keine ruhigen Abende gibt. Jaja, man kann sagen, die Stadt pulsiert. Man kann aber auch behaupten, dass es enorm laut ist, die ganze Zeit – was für ein Stress.

 

Ich bin ein Landei, so viel steht fest und ich schäme mich gar nicht dafür. Ich will auch nicht urteilen über Menschen, die in Städten wohnen, es ist einfach nichts mehr für mich. Früher hatte das Einfahren in Wien immer den Charakter des Nachhausekommens, mittlerweile bin ich hier fremd. Ich find nicht mal den Mischek Tower, wenn man’s mir 5 mal erklärt.

Und ich bin zufrieden damit. Mir gehts gut. Und das ist schön.

 

Das musst auch mal gesagt werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Leben im Allgmeinen, Ranshofen

A perfect day


Ja, ich habe ein Loch im Zeigefingernagel meiner linken Hand und es hat höllisch weh getan und troztdem war gestern der schönste Tag seit langer, langer Zeit.

Der Entschluss fiel genau genommen schon vorgestern Abend, als Claudia und ich bei den Ps auf der Terasse saßen und überlegten, wie’s denn jetzt weitergeht. Wir sind aus Burgkirchen geflüchtet, es war nicht mehr auszuhalten. Warum? This is dedicated to all mothers-in-law:

Aber zurück zu unserem Entschluss. Unser süßer Sohn ist gerade am Prügeln und schont dabei weder die Kinder unserer Freunde, zu denen wir geflüchtet waren, noch uns. Gut, wir können damit mehr oder weniger gut umgehen, für 3 bis 6jährige Mädchen ist das schon erheblich schwieriger. Denn in diesem Alter kann man sich wahrscheinlich nicht daran erinnern, dass man vor wenigen Jahren ein ähnliches Verhalten an den Tag gelegt hat und man weiß auch nicht, dass alles wieder zu einem zurück kommt, sonst würde man als geprügeltes Kind sein Schicksal stumm ertragen und sich Gedanken über ausgleichende Gerechtigkeit msachen. Da man das aber von Kindern nicht verlangen kann und sein eigenes Kind auch nicht ständig in die Versuchung führen will, andere zu verhauen unnd sie danach rügen, ermahnen und diesen ganzen Elternkram durchziehen soll, muss man nach Auswegen suchen.

Bin ich schon bei unserem Entschluss? Nein, nicht ganz. Vorher muss ich euch noch ein wenig von den Fortschritten im Haus erzählen.

WAS IST NEU?

Der erste Stock ist ja schon seit ein paar Tagen fertig, das was wir ein Bett nennen steht im Schlafzimmer, das Kinderzimmer ist möbliert und wird bespielt, das Bad soweit geputzt, dass man es getrost benutzen kann.

Der unglaublich schöne Parkettboden (Eiche natur, geölt) ist im ganzen Erdgeschoß verlegt und seit gestern ist die Küche fertig. Nein, fast fertig. Der Herd und die Spüle sind noch nicht angeschlossen, aber ich habe den Kühlschrank schon so befüllt, dass wir zu jeder Tages- und Nachzeit etwas essen und trinken können und das ist auch nötig.

Gestern hat uns nämlich unser Installateur gesagt, dass aus seiner Sicht gar nichts dagegen spreche, den alten Boiler noch in Betrieb zu nehmen. Das war bisher immer das größte Hindernis zum Einzug, ein Leben ohne Warmwasser zu führen, nicht duschen zu können.

DER ENTSCHLUSS

Ja, richtig geraten, wir sind eingezogen. 🙂 🙂 🙂

Ein unglaubliches Gefühl. Seit Ende Jänner sind wir überall nur mehr zu Besuch. Jetzt sind wir endlich zuhause, wir haben endlich wieder in unserem Bett geschlafen und den Tag nach unseren Vorstellungen verbracht. Naja, nicht ganz.

DER UNFALL

Wie bereits erwähnt, ist ja der Herd noch nicht angeschlossen. Das heißt, wenn wir etwas Warmes zu essen wollen, müssen wir auf eher antike Möglichkeiten der Zubereitung zurückgreifen, sprich Grillen. Das geht ohne Feuerstelle aber nicht. Deshalb wollte ich an den Inn gehen und ein paar große Steine besorgen, die ich dann kreisförmig im Garten trapieren wollte, et voila. Da hab ich leider etwas vorschnell gedacht, weil ich nicht eingerechnet hatte, dass manche Steine so schwer sind, dass sie mir den Finger quetschen und einen gewaltigen Bluterguss unster meinem Fingernagel erzeugen können.

Es tat höllisch weh und Alex, die gerade mit Luna und Zora zu Besuch war, führ mich ins Krankenhaus, aber erst nachdem wir die Tischplatten aus dem Auto unseres Tischlers in unsere Küche geschleppt hatten. Ihr merkt schon, die Ereignisse kulminierten zu diesem Zeitpunkt etwas.

Claudsch musste beim Tischler bleiben, Alex packte ihre zwei Töchter zusammen, ich schnappte mir Mika, rief meine Mutter an, dass wir uns beim Krankenhaus treffen und ab die Post.

Die Krankenhaus Geschichte muss ich euch bei Gelegenheit auch nochmal erzählen, das war lustig.

ZUHAUSE

Was zählt ist, dass wir jetzt wieder wo zuhause sind und abends mit einer Flasche Sekt gemeinsam unter dem Sternenhimmel sitzen können und uns darüber freuen können, wie schön wir es haben und noch haben werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Burgkirchen, Haus, Leben im Allgmeinen, Mika, Umbau

The Big Binderberger Job Fail


Es gibt Momente, in denen ich so derart perplex bin, dass ich gar nicht so handeln kann, wie ich gerne möchte. Heute gab es wieder einen dieser Momente.

Die Abmachung

Mein Sicherheitsbedürfnis ist mit einem Wohnbaukredit und einer jungen Familie höher, als ich das von mir gewohnt bin. Der Plan, dass Claudsch und ich einen Halbtagsjob nehmen und in diesem glücklich bis an unser Lebensende arbeiten, ging bisher noch nicht auf. Macht ja nichts, so ein Ziel kann man ja verschieben.
Ich hatte mich auf einige Jobs beworben, stand schon seit Wien in Kontakt mit einer Braunauer Agentur und hatte vor einigen Tagen die Wahl zwischen zwei Engagements als freier Mitarbeiter und einer Fixanstellung bei der Firma Binderberger in Handenberg. Ich war mir nicht sicher, ob ich in meiner Situation (neuer Wohnort, neues Bundesland, wenig Kontakte, Kredit, etc.) wirklich auf meiner Selbsständigkeit beharren sollte und deshalb sehr froh, dass sich die Möglichkeit einer Fixanstellung ergeben hatte.

Ich erbat mir bei der Firma Binderberger eine Woche Bedenkzeit, um meine Möglichkeiten abzuwägen und entschied mich letztendlich für die Stelle bei Binderberger. Mit Herrn G. vereinbarte ich einen Termin für heute 9:00 Uhr, an dem wir das Anstellungsverhältnis fixieren wollten. Am Telefon erklärte er mir auch nochmal, dass Herr Binderberger ihm gegenüber auch sein Interesse an meiner Person bekundet hätte und er sich schon auf Montag freue.

Der Termin

Ich machte mich heute Morgen also auf den Weg nach Fillmannsbach, als mein Telefon klingelte und der Anrufer mir eine Nachricht hinterlies, die mich etwas verstörte. Herrn G.s Stimme war zu hören und sagte mir, dass ich nicht zu kommen brauche, weil die Stelle intern vergeben wird.
Das konnte ich nicht glauben. Vielleicht hatte er sich verwählt oder den falschen Bewerber angerufen. Warum aber dann diese Ausrede. Ich fuhr kurzerhand auf den Parkplatz eines Supermarkts und rief Herrn G. zurück.

Ich meinte, dass ich etwas verwirrt wäre und nicht sicher wäre, ob ich seine Nachricht richtig verstanden hätte. Ich war mir noch immer sicher, dass es sich einfach um ein Missverständnis handelte. Herr G. erwiderte, dass die Stelle an einen Angestellten vergeben wird, der alle Programme beherrscht (viel Vergnügen!)  und deshalb kein Bedarf mehr an meinen Diensten besteht.

Ich glaube, ab hier fing ich zu stottern an. Ich erklärte ihm, dass ich 2 andere Angebote abgeleht habe, um diese Stelle anzunehmen. Diese Darstellung wies er mit er Feststellung zurück, dass ich ihn auch mit meiner Entscheidung warten lies. Die Sache waäre bereits entschieden und nicht mehr zu ändern. Herr G. verabschiedete sich und beendete unser Telefonat.

Der Schock

Toll, jetzt steh ich wieder da ohne Job und mit weniger Optionen als zuvor. Herr G., Herr Binderberger, das war unprofessionell, unhöflich und äußerst schädlich für meine berufliche Laufbahn. Ich bin nicht nur stinksauer, ich stehe wegen Ihrer sehr zweifelhaften Entscheidung, mir eine halbe Stunde vor Vertragsunterzeichnung abzusagen, vor einer gewaltig schwierigen Situation, die mir viele Unannehmlichkeiten bereiten wird.

Das ist inakzeptabel.

UPDATE:

Am 18. April schrieb ich noch folgende E-Mail an Herrn Binderberger und Herrn G., auf die ich leider bis heute keinerlei Antwort bekam:

Sehr geehrter Herr Binderberger,
sehr geehrter Herr Gabriel.

Ich war sehr enttäuscht von Ihrer äußerst kurzfristigen Absage. Sie haben mich dadurch in eine sehr prekäre Situation gebracht.
Sie haben natürlich recht, ich habe mir eine Woche Bedenkzeit erbeten und Sie solange auf meine Entscheidung warten lassen. Ich hoffe, ich habe Ihnen dadurch keine zusätzlichen Personlakosten verursacht oder andere Bewerber verärgert.
Ihre freundliche Einladung zur Fixierung des Arbeitsverhältnisses letzte Woche hatte zur Folge, dass ich alle anderen Angebote abgelehnt habe. Mit der Absage, die weniger als eine halbe Stunde vor unserem Termin kam, konnte ich gar nicht rechnen. Ich habe mich aus 3 konkreten Angeboten für Ihr Unternehmen entschieden, jetzt stehe ich ohne Job da.

Ich erwarte nicht, dass Sie Ihre Entscheidung revidieren, muss Ihnen aber sagen, dass ich Ihr Vorgehen äußerst unprofessionell finde.
Mit freundlichen Grüßen,
Alexander Nowak

2 Kommentare

Eingeordnet unter Arbeit, Leben im Allgmeinen

„Bring sie alle um!“


Wo ist eigentlich die Zeit seit dem letzten Eintrag hingekommen? Die ist durch die kleinen Ritzen zwischen Zahnschmerzen, Arbeit und Baustelle durchgerieselt und liegt jetzt wie Staub in irgendwelchen Universumsecken rum, in die ich nicht mal mit einem Besen komme.

Leichen im KellerAm liebsten würde ich alles auf einmal schreiben…aber…was weiß ich eigentlich noch aus den letzten Wochen? Sie waren hart, für uns alle. Ich habe die Klugscheißerei unserer Helfer nur mehr schwer ertragen und wenn es nach mir gegangen wäre, hätten die alle gehen können, Claudia gleich mit. Ich durfte ihr gegenüber nicht mal mehr den kleinsten Hauch einer Kritik an unseren Helfern äußern, ohne dass ihr der Kragen geplatzt wäre. Jede Entscheidung, die ich traf, wurde angezweifelt und das Gegenteil war das, was wir tun sollten. Es war nicht mehr zum Aushalten. Ja, ich weiß, dass das nur meine Wahrnehmung und der Stress war, zumindest weiß ich das teilweise. Trotzdem wäre die Situation oft beinahe eskaliert und ich ertappte mich beim Nachdenken, ob es nicht doch besser gewesen wäre in Wien zu bleiben. Und die kleine, mächtige Stimme in meinem Kopf flüstert mir Dinge, die ich hier nicht (noch einmal) schreiben möchte aber ich habe keine Lust auf ein paar Leichen im Keller.

MEIN GARTEN

In Wien hätten wir keinen Garten, nur einen Park, den man sich mit den Junkies und/oder tausend anderen Bobo-Eltern und ihren Gschrappen teilt und der Weg dorthin war immer ein schnelles, von Lärm erfülltes von A nach B hetzen. Der Garten, unser Garten, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, ist wundervoll. Mika liebt es zu graben und zu wühlen, zu pantschen und er liebt es sich dreckig zu machen. Und ich liebe es ihm dabei zuzusehen, wenn er an dem kleinen Tisch, den wir ihm im Garten aus ein paar Ziegelsteinen und einer Holzplatte gebastelt haben, mit einer beneidenswerten Konzentration und Hingabe aus Erde, Gras und Wasser ein Essen für die ganze Baustelle kocht. Er hat mich auch schon eingeladen mitzukochen und das Stochern im Matsch und das Umwühlen mit den Händen im Dreck ist ein haptischen Vergnügen, echt.

DER WEG IST DAS ZIEL

Wenn Mika fertig ist mit Kochen, ruft er mich fast täglich zum „Kühe gehen!“ Damit meint er die Tiere vom Schaberl Hof, einem Bauernhof in Fußreichweite, bei dem wir immer Brot und andere Lebensmittel kaufen (allein die Tatsache, einen Biob-Bauernhof in Fußreichweite zu haben, tröstet mich). Es hat sich eingebürgert, dass wir einmal am tag von der Baustelle Richtung Schaberl Hof gehen. Ich sage bewusst „Richtung“, denn wir kommen nur an den wenigsten Tagen auch wirklich dort an. Viel wichtiger als die Kühe und der Hof, sind die Kleinigkeiten, die uns am Weg ins Auge stechen, die Kieselsteine unter unseren Füßen, die großen Steine, die man super werfen kann, der Käfer, der sich durch die Wiese plagt. Wann seid ihr zum letzten mal an einem Wegesrand gesessen? Ich meine nicht Cafe Latte schlürfend in einem Strassencafè, sondern mit dem Hosenboden in der Wiese und alles rundherum ist Natur.

DAS HAUS

Das Haus macht super Fortschritte, trotz aller Widrigkeiten. Man darf nicht auf alle Ratgeber hören, das darf man nicht. Man muss seine eigenen Meinung haben und gut aufpassen, dass man nicht irgendwann glaubt, es wäre die eigene Überzeugung, wenn man ständig zu hören bekommt „Das muss man schon so machen… Ich hätte das ja anders geplant… Das werdet ihr bereuen, machts doch lieber so…“
Claudia wiederum ging es auf die Nerven nie richtig mit dabei zu sein. So hat sie eben ihre Situation empfunden. Ohne jetzt näher auf Details eingehen zu wollen: wir haben beschlossen, dass es wohl das Beste ist, wenn sie die Baustellenleitung übernimmt und ich mich wieder mehr um unseren Sohn kümmere.

Die Heizkörper hängen an ihren Plätzen, alle Heizungsrohre im Wohnbereich sind gelegt, die Stemmarbeiten vorbei und alles schon grob verputzt. Heute und morgen bringt unser Maurer „Ich mehn mir jetzt endlich mal ein Bier“ Bruno noch den Feinputz an und am Wochenende wird schon Farbe an die Wände geklatscht. Unglaublich.

ZWEIFEL

Das liest sich alles super, aber mir gehts gerade nicht so gut mit unserer Entscheidung des Landlebens. Ich wollte nie Familienanschluss und was uns die Omas erleichtern, erschweren sie uns an vielen anderen Stellen. Ich lebe gerade ein sehr fremdbestimmtes Leben und komme mir sehr eingeteilt vor. Dazu kommt die sehr geringe Auswahl an Jobmöglichkeiten, die ohne Übertreibung katastrofal sind. Ich muss meine alten Kontakte wieder aktivieren, so geht das nicht. Das AMS macht hier wesentlich mehr Stress als in Wien, ich muss mich ständig bewerben. Morgen habe ich ein sinnloses Vorstellungsgespräch bei einem uninteressanten Unternehmen, die eine Stelle ausgeschrieben haben, für die ich heillos überqualifiziert bin. Mein Ansprechpartner hat mir bei der telefonischen Terminvereinbarung schon gesagt, dass es bei ihnen keiner sehr lange aushält. Was für Aussichten!

Es wird schon, das weiß ich. Ich hab nur gerade ein Tief. Morgen spann ich meinen Regenschirm auf, dann scheint sicher wieder die Sonne 🙂

2 Kommentare

Eingeordnet unter Burgkirchen, Handwerker, Leben im Allgmeinen, Ranshofen, Umbau

Alles ist gut


Wochenende. War dringend notwendig. Echt.

Eitel Wonne Sonnenschein

Die ganze Woche war voll mit Terminen und wir haben den Fehler gemacht, alle zu dritt wahrzunehmen, mit dem Effekt, dass unser Lieblingssohn nicht mehr mitspielt. Der rennt bei Frostgefahr lieber nackt in den Garten, als noch einen Handwerker zu sehen, der durch das Haus hirscht und einen auf wichtig macht. Ich versteh’s. Aber dass die Drohung gleich so drastisch ausfallen muss – ja, das versteh ich auch, sonst check ich es ja wieder nicht. Mika hat mir nackt im Vorhaus stehend, mit Eiszapfen an den Beinen (sprichwörtliche Eiszapfen, liebes Jugendamt!) erklärt, er will jetzt kalte Füße haben, denn er will krank werden. jawdrop.

Sowas muss man dann schon ernst nehmen und als kompetente Eltern, die wir zu sein glauben, war es heute Zeit für eine Extraportion Aufmerksamkeit der Eltern und Mikatutnurdaswozuerlusthat. Schön, richtig schön war das und entspannt und überhaupt. Mit Lachen und Kuscheln und Schmusen und Turnen und Balgen. Schienenbauen und Zugspielen inklusive, versteht sich wohl von selbst.

Mehr will ich heute gar nicht schreiben. Es muss auch Tage geben, an denen alles gut ist.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Leben im Allgmeinen, Mika